Warum ich jetzt immer zwei Leinen dabei habe — die Geschichte von Bruno und dem Eichhörnchen

31. März 2026 · Rudelchef
Warum ich jetzt immer zwei Leinen dabei habe — die Geschichte von Bruno und dem Eichhörnchen
Foto: Gustavo Fring / Pexels

Es war so ein typischer Märzmorgen. Ihr kennt das — die Luft ist noch frisch, aber die Sonne wärmt schon ein bisschen. Der Schnee ist weg, die Wege sind matschig, und irgendwie riecht alles nach Aufbruch. Ich war mit Bruno unterwegs, einem Berner Sennenhund, den ich seit fast einem Jahr betreue. 40 Kilo, sanftes Gemüt, liebt Kinder, liebt Pfützen, liebt Käse.

Bruno liebt auch Eichhörnchen. Das hatte ich an diesem Morgen kurz vergessen.

Wir waren auf dem kleinen Waldpfad hinter dem Sportplatz, den ich so gerne nehme, weil da kaum jemand ist. Bruno lief entspannt neben mir, die Leine hing locker durch — so eine schöne, ruhige Energie hatte der Hund. Ich dachte gerade noch: *Schön, dass er heute so ausgeglichen ist.*

Dann kam das Eichhörnchen.

Es saß keine drei Meter vor uns auf dem Boden, hatte eine Nuss oder irgendso was in den Pfoten und schaute uns einfach an. Keine Ahnung, warum es nicht sofort weggelaufen ist. Vielleicht war es jung, vielleicht blöd, vielleicht hatte es Kino-Ambitionen. Auf jeden Fall saß es da und das reichte.

Bruno ist von null auf hundert gegangen. Ich meine das wörtlich. Kein Warnsignal, kein Anspannen, kein kurzes Innehalten — einfach Vollgas. Die Leine hat mir die Hand so aufgerissen, dass ich heute noch das Gefühl nicht vergessen hab. Ich bin einen halben Meter nach vorne gestolpert, hab mich irgendwie gehalten, aber Bruno war schon weg. Drei, vier Sekunden und er war im Gebüsch verschwunden. Das Eichhörnchen übrigens auch — in die andere Richtung, hat sich also gut ausgegangen für alle Beteiligten.

Aber ich stand da. Allein. Mit einer Leine in der Hand. Und keinem Hund dran.


Was danach folgte, waren ungefähr acht Minuten, die sich wie eine Stunde angefühlt haben. Ich hab gerufen, gepfiffen, bin in das Gebüsch rein. Bruno kam irgendwann angetrottet, total aufgedreht, Zunge raus, Schlamm an allen vier Pfoten — und schaute mich so an, als wäre überhaupt nichts gewesen.

Ich war erleichtert. Und gleichzeitig richtig sauer auf mich selbst.

Nicht auf Bruno. Den Hund trifft da null Schuld. Der hat einfach das gemacht, was sein Instinkt ihm gesagt hat. Das ist sein Job als Hund, sozusagen. Aber ich hatte einen klaren Fehler gemacht — ich war nachlässig geworden. Wir hatten so viele gute Spaziergänge gehabt, Bruno war so verlässlich gewesen, dass ich angefangen hatte, die Situationen nicht mehr richtig einzuschätzen. Waldweg, Wildtiere, Frühjahr, wenn alles wieder aktiv wird — das ist keine Situation für eine locker hängende Leine bei einem Hund mit starkem Jagdtrieb.

Das wusste ich. Ich hatte es nur kurz verdrängt.


Seit diesem Tag mache ich was, das sich eigentlich banal anhört, aber einen echten Unterschied macht: Ich trage immer eine zweite Leine in meiner Jackentasche. Eine kurze, feste, die ich im Zweifel sofort ums Handgelenk wickeln kann. Und ich hab angefangen, die Umgebung wieder bewusster wahrzunehmen, bevor ich entspanne. Nicht paranoid — aber wachsam.

Außerdem haben Bruno und ich in den Wochen danach intensiv an seinem Rückruf gearbeitet. Und ich hab mich dabei viel mit dem Thema Impulskontrolle beschäftigt. Was passiert eigentlich in dem Moment, wenn ein Hund so einen Reiz sieht? Wie kann man da früh genug eingreifen, bevor der Schalter umgelegt wird?

Da bin ich dann irgendwann auf ein Online-Training gestoßen, das genau das thematisiert — auf eine Art, die ich als Nicht-Profi wirklich verstehen und umsetzen konnte. Kein Fachjargon, keine Theorie, die sich schön anhört, aber im Alltag versagt. Sondern echte Übungen, die man draußen macht. Mit dem echten Hund. In echten Situationen.

Falls ihr einen Hund habt, der auch so ein „Schalter-Typ" ist — schaut mal bei **[rudelchef.de](https://rudelchef.de)** vorbei. Hat mir ehrlich geholfen, die Sache besser zu verstehen.


Bruno übrigens? Der schläft gerade auf meinen Füßen, während ich das schreibe. Kein Stress, keine Ahnung, dass er mich damals fast in den Matsch gezogen hat.

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