Als Luna entschied, dass Katzen ihr neues Hobby sind — und ich plötzlich auf einem Baum kletterte

4. April 2026 · Rudelchef
Als Luna entschied, dass Katzen ihr neues Hobby sind — und ich plötzlich auf einem Baum kletterte
Foto: Karlheinz Strohmaier / Pexels

Es gibt Tage, da denkst du: Heute wird alles easy. Schönes Wetter, netter Hund, entspannter Vormittag. Und dann passiert Luna.

Luna ist eine zweijährige Sibirische Husky-Hündin. Blaugraues Fell, ein Auge blau, eins braun, und ein Blick, der dir sagt: Ich habe meinen eigenen Plan, danke schön. Ihre Besitzerin Sandra hat sie mir seit drei Wochen anvertraut, immer dienstags und freitags, während sie arbeitet. Bisher lief alles gut. Luna ist aufgeweckt, ein bisschen stur, aber grundsätzlich kooperativ. Ich mochte sie von Anfang an.

Dieser Freitag im April fing also ganz normal an. Ich kam gegen neun Uhr, Luna begrüßte mich mit dem üblichen Husky-Geheul — so eine Mischung aus Sirene und Willkommenslied — und wir starteten unsere Runde durch das Wohngebiet am Stadtrand. Ich hatte die Schleppleine dabei, zehn Meter, weil Sandra gesagt hatte, Luna zieht manchmal stark. Aber auf den letzten Spaziergängen hatte sie sich wirklich gut benommen. Ich wurde vielleicht ein bisschen nachlässig.

Wir kamen an einem der älteren Reihenhäuser vorbei, ordentlicher Garten, hohe Hecke. Und da saß er. Auf dem Holzzaun, mitten in der Aprilsonne, als hätte er den besten Platz der Welt gebucht: ein fetter, orangefarbener Kater. Der hat uns angeschaut, wie man schaut, wenn man null Angst hat. Wirklich null. Der Typ saß da wie ein Pharao.

Luna hat den Kater gesehen.

Der Kater hat Luna gesehen.

Eine halbe Sekunde Stille.

Und dann — Vollgas.

Ich hatte die Schleppleine locker in der Hand, ich gebe es zu. Die zehn Meter Leine flogen durch meine Finger wie ein heißes Messer durch Butter, ich hab versucht zu bremsen, aber Luna ist 27 Kilo purer Husky-Antrieb. Das Ende der Leine schlappte um mein Handgelenk und ich wurde mitgerissen wie... ja, wie jemand, der keine Ahnung hat, was er tut. Kurz zusammengefasst: Ich stolperte quer über den Bürgersteig, landete mit dem Knie auf dem Asphalt, und Luna stand dann vor dem Zaun und bellte den Kater an.

Der Kater rührte sich nicht. Kein Millimeter.

Ich kniete also auf dem Boden, Hose zerrissen, Hand brennt, und irgendwo in meinem Kopf dachte ich: Das darf doch nicht wahr sein.

Dann kam der Teil, über den ich ehrlich berichten will, weil er mir wirklich gezeigt hat, was fehlt. Ich rief Luna. „Luna, komm!" Nichts. Ich rief nochmal, diesmal mit dieser tiefen, festen Stimme, die wir uns alle antrainieren. Nichts. Luna stand da, Leine schleifend, Nase am Zaun, der Kater beobachtete das alles mit royaler Ruhe. Ich musste aufstehen, zu ihr hingehen und sie am Geschirr nehmen. Kein Rückruf, keine Reaktion, ich existierte in dem Moment schlicht nicht für sie.

Der Baum-Teil, bevor ihr fragt: Als ich aufstand und zu ihr lief, wich der Kater plötzlich zurück und sprang in den Garten — auf den nächsten Baum. Luna riss sich kurz los, ich hinterher, und in meiner Panik griff ich nach dem niedrigsten Ast, um mich abzustützen, und... ja. Ich hing kurz an einem Apfelbaum. Bewusst. Mit beiden Händen. Vor einem Reihenhausgrundstück. Ein Nachbar hat dabei aus dem Fenster geschaut.

Ich werde das Gesicht nie vergessen.

Was ich danach gemacht habe: Erstmal Luna ins Auto, Knie gecheckt, tief durchgeatmet. Und dann hab ich wirklich ernsthaft nachgedacht.

Das Problem war nicht Luna. Das Problem war, dass der Rückruf nie wirklich geübt wurde — zumindest nicht unter Ablenkung. In ruhigen Situationen klappt es. Aber in dem Moment, wo ein Reiz da ist, der stärker ist als alles andere? Da zeigt sich, ob das Training sitzt oder nicht. Und bei Luna saß es nicht.

Ich habe Sandra danach offen angesprochen. Kein Vorwurf, nur ehrlich. Wir haben gemeinsam beschlossen, den Rückruf systematisch aufzubauen — erstmal ohne Ablenkung, dann mit Alltagsreizen, dann irgendwann wieder mit Katzen auf Zäunen. Vielleicht.

Wenn du gerade das Gefühl hast, dein Hund hört eigentlich ganz gut — frag dich mal: Hört er auch dann, wenn ein Eichhörnchen oder eine Katze im Spiel ist? Wenn die Antwort nein ist, dann ist der Rückruf noch nicht fertig. Punkt.

Ich übe das jetzt mit Luna jede Woche. Kleine Schritte, viel Belohnung, echte Geduld. Und die Schleppleine halte ich neuerdings mit beiden Händen fest.

Der Kater übrigens sitzt vermutlich noch auf demselben Zaun.

Wenn du mehr über strukturiertes Rückruf-Training erfahren willst — ich hab eine Ressource gefunden, die das wirklich gut erklärt, ohne Fachchinesisch und ohne den üblichen Ratgeber-Quatsch: [rudelchef.de](https://rudelchef.de)

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