Der Hund, der nicht gelobt werden wollte — was Oskar mir über Vertrauen beigebracht hat
Es gibt Hunde, die fressen dir aus der Hand. Buchstäblich. Die schauen dich an als wärst du die Sonne persönlich, und alles was du sagst klingt für sie wie Musik.
Und dann gibt es Oskar.
Oskar ist ein fünfjähriger Dalmatiner. Schlank, gepflegt, mit diesem typischen gefleckten Fell das immer aussieht als hätte jemand Tinte drauf gekleckst. Sein Besitzer Peter hatte ihn mir mit den Worten übergeben: "Der ist eigentlich unkompliziert. Bisschen eigen vielleicht."
Bisschen eigen. Ja.
Das erste Mal als ich Oskar zu mir gesagt habe "Braver Hund!", nach einem wirklich schönen Sitz den er hingelegt hat — hat er mich angeschaut. Kurz. Dann weggeschaut. Und ist langsam, mit dieser fast königlichen Gleichgültigkeit, zwei Schritte zur Seite gegangen.
Ich hab kurz auf meine Hand geschaut. Hatte ich vielleicht was Komisches dran? Nein.
Beim zweiten Versuch dasselbe. Ich lobe ihn, er dreht sich weg. Nicht aggressiv, nicht ängstlich. Einfach... desinteressiert. Als wäre mein Lob ein Werbejingle den er schon hundertmal gehört hat.
Das hat mich ehrlich gesagt ein bisschen getroffen. Ich meine, ich bin den ganzen Tag mit Hunden zusammen. Lob ist mein Werkzeug Nummer eins. Und hier sitzt dieser gefleckte Kerl und tut so als würde ich Luft sprechen.
Ich hab in den ersten zwei Tagen alles versucht. Höhere Stimme. Tiefere Stimme. Leckerli direkt nach dem Lob. Leckerli davor. Streicheln kombiniert mit Worten. Oskar hat das alles mit der Geduld eines buddhistischen Mönchs über sich ergehen lassen — aber wirklich angenommen hat er nichts davon.
Dann hab ich aufgehört.
Nicht weil ich aufgegeben hab. Sondern weil mir irgendwann auf dem Nachmittagsspaziergang durch den Stadtpark — Oskar war mal wieder drei Meter vor mir und hat Dinge beschnüffelt die nur er sehen konnte — ein Gedanke gekommen ist.
Vielleicht ist es nicht sein Problem dass er mein Lob nicht annimmt. Vielleicht hat er einfach noch keinen Grund, mir zu glauben dass ich das ernst meine.
Klingt komisch, ich weiß. Aber denk mal kurz darüber nach. Wenn ein fremder Mensch zu dir kommt, dich anlächelt und sagt "Du machst das super!" — wie lange braucht es bis du das wirklich glaubst? Ein bisschen Zeit, oder? Ein bisschen Beziehung?
Oskar kannte mich seit zwei Tagen. Was sollte mein Lob für ihn bedeuten?
Also hab ich die Strategie gewechselt. Ich hab aufgehört, ihn zu loben wenn er was "richtig" gemacht hat. Stattdessen hab ich einfach angefangen, mit ihm zu reden. Ganz normal. So wie ich mit einem Menschen reden würde dem ich gerade begegnet bin.
Auf dem Spaziergang: "Schau mal, da ist eine Ente." Wenn er neben mir geblieben ist: "Guter Plan." Wenn er an der Leine gezogen hat, kurz innehalten, warten, und wenn er zurückgekommen ist einfach weitergehen ohne großes Theater.
Kein Jubel. Kein "JAAA SUPER OSKAR WOW." Einfach... normal.
Am dritten Tag, Mittwochmittag, haben wir an einer Bank Pause gemacht. Ich hab mein Wasser rausgeholt. Und Oskar — ohne dass ich ihn aufgefordert hab, ohne Leckerli, ohne irgendeinen Grund — hat sich neben meine Beine gelegt. Einfach so. Schnauze auf die Vorderpfoten, Augen halb geschlossen.
Ich hab nichts gesagt.
Und genau das war, glaub ich, das Richtige.
Am Ende der Woche hat Oskar angefangen auf mein Lob zu reagieren. Nicht überschwänglich, das ist nicht sein Stil. Aber er hat mich angeschaut wenn ich gesprochen hab. Manchmal ist er einen Schritt auf mich zugekommen. Das war für ihn eine Menge.
Was ich dabei gelernt hab: Manche Hunde brauchen kein lautes Lob. Die brauchen Beständigkeit. Die brauchen jemanden der einfach da ist, ohne ständig was zu wollen.
Und das gilt übrigens auch für Hunde die nicht "eigen" sind. Beziehung vor Gehorsam — das klingt nach einem Poster das man in einer Hundeschule aufhängt, aber ich hab es mit Oskar wirklich verstanden.
Wenn du das Gefühl hast, dein Hund nimmt dein Lob nicht an oder reagiert nicht auf dich — frag dich mal ehrlich: Wie viel Zeit hast du einfach mit ihm verbracht, ohne irgendetwas zu trainieren?
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Habt ihr auch Hunde in eurem Leben die euch erst mal auf Abstand gehalten haben? Erzählt mir davon — ich bin gespannt.